Gustav Schultz (1851 - 1928)

Die Chemische Technologie findet gegen Ende des 19.Jhdts einen Vertreter der Organischen Chemie an ihrer Spitze. Gustav Schultz beginnt im Jahr 1870 ein Hochschulstudium im Fach Chemie an der Universität Königsberg. Unter der Anleitung von Graebe wird er 1874 mit einer Arbeit "Über Derivate des Diphenyls" zum Doktor der Philosophie promoviert. In diesen Arbeiten klärt Schultz durch Oxidationsreaktionen und weitere Umwandlungen die Konstitution einer ganzen Reihe von Diphenylderivaten.

Anschließend, von 1875 bis 1877 ist er Privatassistent des großen Chemikers Kekulé an der Universität Bonn. Hier schließt er eine innige und bis ans Ende seines Lebens dauernde Freundschaft mit Anschütz, mit dem er sich zu gemeinsamen Arbeiten über Phenanthren verbindet, dessen Konstitution zu dieser Zeit noch Gegenstand intensiver Bemühungen ist.

1877 siedelt Schultz als Privatdozent an die vom Deutschen Reich neugegründete Universität Straßburg über, wo Fittig ihm das Amt eines Unterichtsassistenten überträgt.

Als die 1873 gegründete AG für Anilinfabrikation in Berlin (Agfa) einen geeigneten Leiter ihres wissenschaftlichen Laboratoriums sucht, fällt ihre Wahl auf Schultz, der durch eine Reihe hervorragender Arbeiten auf dem Gebiet der aromatischen Chemie sich bereits einen Namen gemacht hat. Aufgrund seines Gutachtens erwirbt die Agfa das Böttigersche Verfahren zur Produktion von Benzidinfarbstoffen, die als direktziehende Baumwollfarbstoffe unter dem Namen "Kongofarbstoffe" zu einem großen Massenprodukt mit reichem Gewinn für die Agfa und mit ihr der damaligen Farbenfabriken Friedrich Bayer & Co. in Elberfeld werden. Somit hat Schultz einen nicht unwesentlichen Anteil an der erfolgreichen Entwicklung eines der damals führenden Unternehmens der Farbstoffproduktion.

Nach einer kurzen Tätigkeit als Fabrikdirektor bei der Chemischen Fabrik vorm. Sandoz & Co. in Basel habilitiert sich Schultz 1885 an der TH in München, wo ihm auch im folgenden Jahr die ordentliche Professur für chemische Tech nologie übertragen wird. Er bleibt der organischen Farbstoffchemie treu und verfaßt neben seiner Hochschultätigkeit die berühmten "Farbstofftabellen" mit der kompletten Beschreibung von über 1400 Organischen Farbstoffen bekannter Konstitution oder Herstellungsweise, natürlichen Farbstoffen und Farblacken aus Naturfarbstoffen. Dieses Buch erscheint in sieben Auflagen und ist über Jahrzehnte hinaus das internationale Standardwerk der Farbenchemie.

In seine Amtszeit fällt der Neubau des Chemisch-technischen Instituts, der 1910 in Angriff genommen und während des ersten Weltkriegs fertiggestellt wird. In dieser Zeit wird Schultz in mehrere Aufsichtsräte von Bayerischen Chemieunternehmen gewählt, 1923 wird er "Geheimer Regierungsrat". Im Jahr 1926 wird Schultz aus gesundheitlichen Gründen emeritiert.