Der Lehrstuhl für Anorganische Chemie

Die Geschichte unseres Lehrstuhls beginnt mit Emil Erlenmeyer. Als die Kgl. Polytechnische Schule in München nach dem Vorbild der Technischen Hochschulen in Prag (gegründet 1806), Wien (1815), Karlsruhe (1825) und Zürich (1855) im Jahre1868 ihre Pforten öffnete, war der Chemiker Erlenmeyer unter den 24 Gründungs-professoren. Er stand einer der fünf Abteilungen vor, nämlich der chemisch-technischen Abteilung, zu der noch die Professoren Georg Cajetan Kaiser (Angewandte Chemie), Carl Stölzel (Chemische Technologie, Metallurgie und Praktische Technische Chemie) und Carl Haushofer (Mineralogie, Mineralogische Übungen und Eisenhüttenkunde) gehörten. Erlenmeyer vertrat die Experimental-Chemie sowie die Analytische und Praktische Chemie. Carl Max von Bauernfeind, Professor für Geodäsie, Praktische Geometrie sowie Straßen- und Eisenbahnbau, war der erste Direktor der Hochschule, die am 19. Dezember 1868 durch Minister von Schlör ihrer Bestimmung übergeben wurde. Ihr Gründungsauftrag bestand in „einer vollständigen theoretischen Ausbildung für den technischen Beruf in den für eine allgemeine Bildung erforderlichen Kenntnissen in denjenigen Disziplinen, welche auf den exakten Wissenschaften und zeichnenden Künsten beruhen“.

Die Gründung der Kgl. Polytechnischen Schule war eine unmittelbare Folge der im Jahre 1864 erfolgten Einrichtung von Realgymnasien in Bayern, aus denen für das Jahr 1868 die ersten Studenten zu erwarten waren. Im Wettstreit um den Standort konnte sich München gegen Nürnberg nur deshalb durchsetzen, weil sich hier die Universität (seit 1825), die Bayerische Akademie der Wissenschaften (seit 1759) sowie die größten Sammlungen und Bibliotheken des Königreichs Bayern befanden. In den ersten Jahren hielt Erlenmeyer mit 6 Wochenstunden im Wintersemester und 4 Wochenstunden im Sommersemester die Anorganische beziehungsweise Organische Experimentalvorlesung. Ferner führte er das „Colloquium über Analytische Chemie“ (2 – 3 Wochenstunden) und ein „Chemisches Privatissimum“ (im Sommersemester, „über die ein- und die mehrbasischen Anorganischen und Organischen Säuren in theoretischer wie praktischer Beziehung“) durch, außerdem betreute er die praktischen Übungen im chemischen Laboratorium: „Montag bis Freitag von Morgens bis Abends“. Einen hohen Stellenwert hatte von Anfang an auch die chemische Technologie einschließlich der Metallurgie; hierfür stand Carl Stölzel zur Verfügung, der auch als Berater der im Polytechnischen Verein organisierten Industriebetriebe Bayerns ein gefragter Mann war. Durch seine Verbindungen mit der Metallindustrie in Nürnberg war er maßgeblich am Aufbau des Gewerbemuseums beteiligt.

Wolfgang A. Herrmann

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