Alfred Treibs (1899 - 1983)

Stefan Goldschmidt hätte die große Aufgabe des Wiederaufbaus des Instituts nicht geschafft, wenn er nicht einen engagierten und tatkräftigen Mitarbeiter an seiner Seite gehabt hätte: Alfred Treibs.

Alfred Treibs widmet sich ab 1919 dem Chemiestudium, zunächst an der TH Aachen bei Claaßen und Bredt, dann an der TH München bei Wieland. Als Fischer 1921 die Nachfolge Wielands antritt, wird Treibs sein erster Examenskandidat und der einzige unter sechs, der nicht durchfällt. In der Gruppe um Fischer beschäftigt er sich als einziger dann nicht mit Pyrrolderivaten, sondern promoviert 1925 mit einer Arbeit über "Abbauversuche des Cholesterins durch thermische Zersetzung und Dehydrierung. Über die Lithofellinsäure".

Danach beteiligt sich jedoch auch Treibs an den Arbeiten seines Lehrers. Er hilft bei der Aufklärung letzter Strukturprobleme des Hämins und findet ein weiteres Abbauprodukt, die Opsopyrrolcarbonsäure, die sich bis heute als eine Schlüsselverbindung für die Synthese der natürlichen Pyrrolfarbstoffe erwiesen hat.

Anschließend setzt Treibs, zunächst alleine, die Willstätterschen Arbeiten am Chlorophyll fort. Dies erfolgt mit dessen Einverständnis und Förderung. Bald jedoch wird Chlorophyll zum Thema des gesamten Fischer-Arbeitskreises. Im Jahr 1930 habilitiert sich Treibs mit einer Arbeit über "Molekülverbindungen der Porphyrine".

Zusammen mit dem Mineralogen Steinmetz gelingt es ihm 1933, in einer Karbon/Perm-Formation einen seltenen organischen Mineralstoff zu finden, den sie Graebeït nennen und als Polyhydroxyanthrachinon identifizieren. Dieser Befund gibt den Anlaß, noch weitere definierte organische Substanzen in bitumösen Gesteinen zu suchen. Ein Jahr später kann Treibs im bitumösen Schiefer von Wallgau Vanadin-Porphyrin-Komplexe nachweisen, der endgültige Beweis für den pflanzlichen Ursprung des Erdöls. Diese bahnbrechenden Arbeiten geben wichtige Impulse zur Erforschung der Entstehung der organischen Brennstoffe. Das 1936 erarbeitete Treibs-Schema des Chlorophyllabbaus bildet die Basis der modernen Organischen Geochemie.

Seine offen gezeigte Antinazi-Gesinnung nötigt Treibs, trotz Förderung durch den Nobelpreisträger Fischer, seine Stellung an der TH aufzugeben. Von 1936 bis 1945 ist er bei der Wacker-Chemie im Consortium für elektrochemische Industrie tätig, wo er sich mit der Chemie des Acetylens und der Vinylpolymere beschäftigt.

Nach Wiederöffnung der TH München wird Treibs 1946 als apl. Professor zum kommissarischen Leiter des Instituts für Organische Chemie ernannt. Er steckt außerordentlich viel Mühe und Energie in den Wiederaufbau des Instituts. Trotzdem muß er sich, unterstützt durchGoldschmidt, die Ernennung zum Professor mit zwei Prozessen gegen den Bayerischen Staat erkämpfen, der ihm schließlich erst im Jahr 1962 ein persönliches Ordinariat zuerkennt.

Auch nahezu seine gesamten Arbeiten in der Nachkriegszeit beschäftigen sich mit der Pyrrolchemie. So entdeckt er z.B. zusammen mit Jacobdie Pyrrol-Quadratsäurefarbstoffe und in Vollendung des Lebenswerks von Fischer ist Treibs wesentlich an der "Münchener Chlorophyll-Synthese" beteiligt.

© Copyright 2000, Dr. Eric Fontain, TUM